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VDMA-Geschäftsführer Dr. Bernd Scherer.



„Wo Innovation auf Tradition trifft“

Interview mit Dr. Bernd Scherer, VDMA

Vom 17. bis 25. September versammeln sich landwirtschaftlich Interessierte und solche, die es werden wollen, zum traditionsreichen Zentral-Landwirtschaftsfest. Tier, Technik und landwirtschaftlicher Genuss stehen hier Seite an Seite. Dr. Bernd Scherer, Geschäftsführer des Herstellerverbandes VDMA Landtechnik, berichtet über technikaffine Landwirte, Düngung mit Radar und die impulsgebende Rolle des ZLF.


Was macht für Sie den besonderen Reiz des ZLF aus?
Das ZLF ist ganz bewusst anders als andere Ausstellungen: Denn hier trifft Innovation auf Tradition. Hier gehen bayerische Gemütlichkeit und zukunftsweisendes Hightech eine fruchtbare Allianz ein, in einer einzigartigen, impulsgebenden Atmosphäre, wie wir sie sonst nirgendwo in vergleichbarer Weise finden. Technikaffine Landwirte wissen das ebenso zu schätzen wie das städtische Publikum, dem interessante und vor allem hochaktuelle Einblicke in das moderne Agribusiness geboten werden. Für die Landmaschinen- und Traktorenindustrie hat sich das ZLF konsequenterweise zu einer ganz wesentlichen Dialogplattform entwickelt, deren Strahlkraft mittlerweile weit über Bayern und Süddeutschland hinausreicht.

Welche technischen Schmankerl werden die Landmaschinen- und Traktorenhersteller im Herbst nach München mitbringen?
Wir werden ein sehr breites Spektrum an innovativer Technik erleben, das jeder Betriebsform und -größe gerecht wird. Ganz gleich, ob Milch- oder Ackerbauer, Profi- oder Nebenerwerbsbetrieb – passgenaue Maschinen und Geräte aller Segmente werden zeigen, was in moderner Agrartechnik steckt. Schlagkraft, Nutzungskomfort und intuitive Bedienbarkeit stehen dabei ganz oben auf der Wunschliste unserer Kunden.
Im Zentrum der Innovation werden in diesem Jahr vor allem intelligente Vernetzungslösungen stehen. Rechnergestützte Konzepte, die nicht nur die einzelne Maschine schneller, leistungsfähiger und effizienter machen, sondern, die den gesamten Produktionsprozess – von der Aussaat bis zur Abfuhrlogistik – im Blick haben.

Circa 650 Aussteller aus dem In- und Ausland sind auf dem ZLF vertreten.

„Farming 4.0“ ist derzeit in aller Munde, für viele aber noch immer nicht richtig greifbar. Was hat es damit auf sich und in welche Richtung wird die Landwirtschaft von morgen navigieren?
Farming 4.0 beschreibt die internetgestützte Vernetzung sämtlicher inner- und überbetrieblicher Prozesse. Der digitale Fortschritt, der momentan in Landwirtschaft und Landtechnik Einzug hält, gründet sich auf durchdachte und vielfach erprobte Entwicklungen. Dass heute schon 80 Prozent der Landtechnik-Innovation auf digitalen und elektronischen Produktideen beruht, zeigt, dass wir mit der Vernetzung der landwirtschaftlichen Prozesskette nicht erst gestern begonnen haben. Tragfähige, markenübergreifende Schnittstellen zwischen Traktor und Anbaugerät, wie wir sie seit Jahren in allen Produktsegmenten kennen, bilden die Grundlage des Vernetzungsgedankens, der natürlich kein Selbstzweck ist. Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit in einem zunehmend global aufgestellten Marktumfeld zu steigern, sind die wesentlichen Triebfedern der digitalen Wende.

Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, klingt gut. Doch was heißt das konkret?
Die digitale Produktionskette bietet so zahlreiche Optionen zur Effizienzoptimierung, dass diese sich unmöglich auch nur annähernd vollständig beschreiben ließen. Spannend ist beispielsweise die zunehmend genutzte Möglichkeit, entsprechend programmierte Drohnen etwa für Maßnahmen des Monitoring einzusetzen. Ausgestattet mit hochauflösender Video- und Wärmebildtechnik lassen sich Bestandslücken, Reifestadien oder Schädlingsbefall absolut exakt ermitteln. Bekämpft wird letzterer sogar direkt aus der Luft mithilfe elektronisch steuerbarer Abwurfvorrichtungen, die zum Beispiel Wespenlarven zur natürlichen Abwehr von Schadinsekten freigeben können.

In der Düngetechnik gibt es mittlerweile den Ansatz, die schon heute hohe Präzisionsleistung mithilfe von Radartechnologie weiter zu steigern. Nur dort, wo Düngung auf fruchtbaren Boden fällt, sollen wertvolle Nährstoffe zugesetzt werden. Das Streubild, also das zugrundeliegende Muster der Substratausbringung, lässt sich mithilfe intelligenter Software koordinatengenau an die unterschiedlichen Fruchtbarkeitsniveaus des Schlages anpassen. Modernste Radartechnik hilft, die Querverteilung des Düngemittels zu optimieren. In welche Richtung das einzelne Düngerkorn ausgeworfen werden muss, errechnet der Computer auf Basis der vom Korn reflektierten Radarwellen. Da dies in Echtzeit geschieht, ist höchste Präzision garantiert.

Ist Hightech dieser Art auch eine Option für Biobetriebe?
Dass Hightech an eine bestimmte landwirtschaftliche Betriebsform gebunden ist, beruht auf dem alten Klischee, nach dem Technik und Ökologie als unvereinbar gelten. In der Tat ist das ein Irrtum: GPS-gesteuerte Traktoren und Erntemaschinen, ressourceneffiziente Düngetechnik oder vollautomatische Melkrobotik leisten schließlich ein deutliches Mehr an Präzision und Ressourcenschonung als althergebrachte Verfahren und Technologien. Der Einsatz innovativer Agrartechnik sorgt insofern für eine durchweg positive Bilanz – sowohl ökonomisch als auch ökologisch.